Das Wort Energiewende beinhaltet, dass sich etwas fundamental ändert. Dass die Energiewende notwendig ist und aktiv gestaltet werden muss, ist weitgehend Konsens. Die tiefgreifenden Veränderungen müssen aber sorgsam und vorausschauend geplant werden, damit die Gemeinde sie auf Dauer stemmen kann. Und das bedeutet, dass wir sie frühzeitig und proaktiv angehen müssen. In diesem Jahr hat in Wettringen die kommunale Wärmeplanung begonnen. Sie bietet einen Überblick über die zukünftigen Bedarfe einerseits und die Erzeugungsmöglichkeiten andererseits. In der Folge werden Projekte diskutiert werden, die viel Geld kosten können. Dabei ist für Wettringen immer abzuwägen, welche Projekte sich langfristig lohnen und eine Investition darstellen. Diese Projekte müssen bevorzugt und notfalls mit Krediten vorangebracht werden. Ein positives Beispiel ist die große Erdwärmeanlage, die im Neubau der Schule geplant ist. Bei der Berechnung solcher Projekte spielt oft der Vergleich mit aktuell günstigem Gas eine Rolle. Dabei muss, anders als bisher, die realistische Entwicklung der Gaspreise unter Berücksichtigung der CO2-Abgaben zugrunde gelegt werden. So hat der neue Kindergarten im Andorf noch in dieser Wahlperiode eine zu kleine Wärmepumpe erhalten, so dass zur Unterstützung eine neue Gasheizung verbaut wurde, die im Mittel (!) für 30% der Wärmeenergie benötigt wird und damit in Zukunft unnötige Emissionen und vor allem auch Kosten für die Gemeinde erzeugen wird. Nachhaltigkeit im finanziellen genauso wie im Umwelt-Sinne soll unser Ziel in den nächsten Jahren sein.
Bei der Erzeugung von erneuerbaren Energien ist Wettringen mit 18 Windkraftanlagen schon gut aufgestellt. Dabei wird im Mittel mehr elektrische Energie erzeugt, als Wettringen verbraucht. In diesem Bereich sind wird also einigen städtischen Regionen deutlich voraus. Unser Verbrauch an fossiler Energie ist aber höher als in der Stadt, was vor allem an der Wohnstruktur und der Mobilität liegt. Durch den Umbau in diesem Bereich wird der Bedarf an günstiger elektrischer Energie stark steigen, so dass gerade in ländlichen Regionen die Erzeugung erneuerbarer Energien weiter ausgebaut werden muss. Es gibt in Wettringen noch mehrere potenzielle Standorte für Windkraft, die wir in den nächsten Jahren nutzen sollten. Dabei ist auf eine starke Bürgerbeteiligung nach den Richtlinien des Kreises zu achten, wodurch letztlich auch die Akzeptanz für die Betreibergemeinschaft verbessert wird. Auch Freiflächen-Photovoltaik und Agri-PV müssen in der Energieerzeugung eine wichtige Rolle spielen. Dabei ist auf die Belange der Landwirtschaft Rücksicht zu nehmen. Die Umwandlung von Grasland in eine Doppelnutzung mit PV (Agri-PV) ist ein guter Weg und besser als der Verbrauch fruchtbarer Böden für Freiflächen-PV. Die Planung einer neuen Freiflächen-PV-Anlage auf dem Gelände der Ziegelei in Rothenberge zeigt, wie es gehen kann, vor allem wenn, wie bei diesem Projekt, ortsnah ein Ausgleich durch Renaturierung erfolgen kann.
Der Bau von Photovoltaik auf Gebäudedächern ist der Freifläche grundsätzlich vorzuziehen, nicht zuletzt, weil die Energie vor Ort benötigt wird. In den direkten Einflussbereich der Gemeinde fallen dabei die Dächer öffentlicher Gebäude. In den letzten Jahren wurde dabei mehrere Anlagen gebaut, die nur einen kleinen Anteil der Dachflächen nutzen. Neue Projekte sollten die gesamte zur Verfügung stehende Fläche nutzen. Die Amortisierung ist dabei eventuell etwas langsamer aber sie spielen Geld in die Gemeindekasse und das heißt vor allem, dass sie die Gemeinde unter dem Strich kein Geld kosten. Die Mehrzahl der öffentlichen Gebäudedächer trägt noch keine PV-Anlage, so das hier in den nächsten Jahren aufgeholt werden muss. Das primäre Ziel dieser Anlagen ist es, die Gemeinde rechtzeitig und unkompliziert auf den beschlossenen Pfad der Klimaneutralität 2040 zu bringen. Sie sind aber auch finanziell attraktiv, da sie die Inventionen auf lange Sicht wieder einspielen. Um so mehr sollten alle vorhanden Dächer schnellstmöglich vollflächig genutzt werden.
Mit zunehmender Stromerzeugung aus Wind und Sonne steigen auch die täglichen Schwankungen der Strompreise. Die „Flatrate“ für gleichbleibende Strompreise über viele Monate wird bald unattraktiv sein und dann wird es sich lohnen, die günstig produzierte Energie zu speichern, statt sie bei niedrigen Preisen einzuspeisen und sie später am Tag, wenn die Preise um ein mehrfaches höher sind, selbst zu verbrauchen. Auch Speicher gehören deshalb zu den Investitionen, die nachhaltig sind und zwar sowohl für das Klima als auch für die Gemeindekasse.
Aber nicht nur durch die Erzeugung und Speicherung von erneuerbarer Energie spiel bei uns vor Ort eine Rolle. Auch die Durchleitung von Energie in Form von Gleichstrom, Wechselstrom und Wasserstoff (meist von Nord nach Süd) verläuft in Zukunft in gigantischen Mengen durch unseren Ort. Sie erzeugen große Schneisen, die später kaum sichtbar sind, aber nicht nicht mehr bebaut werden können. Dabei ist eine Balance erforderlich, die Wettringen in seiner Entwicklung nicht einschränkt und gleichzeitig diesen wichtigen Projekten wohlwollend gegenübersteht. Für jedes Projekt ist eine frühzeitige und offene Information aller Betroffenen von großer Bedeutung und auch Aufgabe der Verwaltung.
Die Artenvielfalt ist schon dramatisch zurück gegangen und dieser Rückgang bedroht unsere Existenz mindestens so stark wie der Klimawandel. Es ist daher Aufgabe aller staatlichen Ebenen, von der EU bis zu den Gemeinden, ihren Beitrag zum Schutz der Arten zu leisten. Glücklicherweise gibt es aktuell einen ordentlichen Rahmen, der besonders durch das Bundesnaturschutzgesetz gesteckt wird und an den sich alle Kommunen halten müssen. Sinnvollerweise sieht das Gesetz aber Ausnahmegenehmigungen vor, die in den letzten Jahren häufig durch die Gemeinde Wettringen beantragt wurden. Dass es diesen Weg gibt, ist prinzipiell sinnvoll und sorgt in der Regel für einen angemessenen Ausgleich der benötigten Eingriffe. Aber vor jedem Eingriff muss auch abgewogen werden, ob er wirklich notwendig ist. Beispielsweise ist die Beseitigung der geschützten Heckenstruktur für das Baugebiet an der August-Kümpers-Straße beantragt und genehmigt worden, ohne die alternative Nutzung mit Erhaltung der Hecke überhaupt zu betrachten. Eingriffe können nicht immer vermieden werden und Kompensationen sind ein gutes Mittel, aber es muss mehr Sorgfalt für die Abwägung aufgewendet werden.
Noch wichtiger als die Vermeidung unnötiger Eingriffe ist die positive Förderung der Lebensräume und der Landschaftspflege. Unsere schöne Kulturlandschaft zum Biespiel im Tal der Vechte im Vollenbrok und in Rothenberge oder das Naturschutzgebiet in der Brechte sollten Ansporn dafür sein. Hier gibt es wichtige Lebensräume für sehr viele Pflanzen und Tiere, darunter auch bedrohte Arten wie der Kiebitz. Ein leuchtendes Beispiel für diesen Ansatz stellt in Wettringen die Renaturierung der Steinfurter Aa im Tie-Esch dar. Zur Zeit ist die Erweiterung dieser Maßnahme Richtung Andorf in Planung, für die Fördermittel zur Verfügung stehen. Diesen Ansatz wollen wir in Zukunft weiter verfolgen, für den Artenschutz und für ein lebenswertes Wettringen.
Die Renaturierung der Steinfurter Aa ist nicht nur ein Gewinn für den Artenschutz, sondern schützt auch vor den starken Niederschlags-Schwankungen, die der Klimawandel mit sich bringt. Bei Hochwasser ist bietet der renaturierte Bereich ein Puffer und einen einfacheren Abfluss während die feuchte Fläche in trockenen Zeit für Ausgleich sorgt. Einen verbesserten Schutz würde vor allem eine Renaturierung südlich des Ortskerns bringen. Neben großen Projekten wie der Renaturierung gibt es viele kleine Maßnahmen, die die Speicherung von Wasser, den Artenschutz und einen Ausgleich bei extremen Temperaturen ermöglichen. Dazu gehören Dach- und Wandbegrünungen, der Verzicht auf unnötige Wärmespeicher in öffentlichen Baumaßnahmen (z.B. Gabionen), die Entsiegelung von Flächen, die Erhaltung und Anpflanzung von Bäumen im Ort und vieles mehr. In diesem Bereich gibt es viele Förderprogramme und es ist Aufgabe der Verwaltung die richtigen Förderprogramme für Wettringen zu finden und vorzuschlagen. Dabei sollten die gewählten Maßnahmen möglichst nachhaltig wirken. Geförderte Bäume im Ortskern sollten zum Beispiel eingepflanzt und nicht in Kübeln aufgestellt werden. Kleine entsiegelte Flächen (z.B. in den Baugebieten) und auch Ausgleichsflächen werden oft von Anwohnern gepflegt. Durch Beratung und aktive Bewerbung solcher Maßnahme kann dieser Einsatz noch gefördert werden.
Die Landwirtschaft prägt unseren Ort und ist essentiell für Wettringen, nicht nur für die Lebensmittelversorgung, sondern auch für die Familien, die davon leben und für die Pflege unserer Kulturlandschaft. Deshalb liegt der Fokus nicht auf gewerblichen Großbetrieben, sondern auf der Erhaltung der bäuerlichen Landwirtschaft und der kleineren Betriebe. Sie stehen besonders unter dem Druck unsicherer Lebensmittelpreise, dem Diktat der großen Lebensmittelkonzerne, den Vorgaben aus Brüssel und Berlin, den steigenden Bodenpreisen sowie den Folgen des Klimawandels, wie zum Beispiel den zunehmenden Niederschlagsschwankungen. Es gibt für die Gemeinde vielfältige Möglichkeiten, die örtliche bäuerliche Landwirtschaft zu unterstützen. Bei dem Verbrauch von Flächen ist der Einfluss auf die Bodenpreise zu berücksichtigen (siehe Flächenverbrauch). Bei der Ausweisung von Flächen für die Energieerzeugung muss auf die Belange der Landwirtinnen und Landwirte Rücksicht genommen werden. Die Infrastruktur, insbesondere die Wirtschaftswege müssen weiterhin „in Schuss“ gehalten werden. Und schließlich kann auch die Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln, zum Beispiel über den Caterer der Schulmensa gefördert werden.
Mit Flächenverbrauch wird die Umwandlung von Acker- und Naturflächen in versiegelte oder bewohnte Flächen bezeichnet. Die Umnutzung der Flächen hat durchaus viele positive Effekte für Wettringen gebracht. Wohnraum für junge Familien und Gewerbeflächen für Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler wurden geschaffen. Die Geschwindigkeit, mit der Fläche in den letzten zwei Jahrzehnten verbraucht wurde, kann aber nicht beibehalten werden. Abgesehen davon, dass wir unsere Kulturlandschaft nicht komplett verbrauchen wollen, sind uns auch durch den neuen Regionalplan sinnvolle, aber durchaus enge Grenzen gesetzt. Mit den verbliebenen Flächen, die in den nächsten Jahren noch verbraucht werden können, müssen wir deshalb sorgfältiger umgehen als bisher. Gute Voraussetzungen für ausreichend Wohnraum und den Erhalt und die Ansiedlung von Gewerbe zu schaffen, ist deshalb eine umso wichtigere, aber auch schwierigere Aufgabe geworden. Die einfache Lösung, immer den nächsten Acker am Ortsrand für eine Logistikhalle oder für Einfamilienhäuser auszuweisen, steht kaum noch zur Verfügung. Auch Konflikte mit dem Artenschutz, die wir bei der Ausweisung der letzten Gewerbeflächen erlebt haben, zeigt diese Entwicklung. Deshalb braucht es neue, intelligente Ansätze für Wohnraum und Gewerbe.
Ein wichtiger Ansatz ist die Nachverdichtung im Ort (siehe Bauen und Wohnen). Der Verbrauch von Gewerbeflächen muss durch eine sorgfältige Auswahl (Vergabekriterien, Bevorzugung für benötigte Erweiterungen ansässiger Betriebe, Umsatz und Arbeitsplätze pro Fläche, Zukunftsfähigkeit, Verkehrsbelastung etc.) reduziert werden. Im Wohnungsbau muss die Nachfrage aller Wohnformen, also auch Reihenhäuser und kleine Wohnungen berücksichtigt werden (siehe Kapitel Wohnen).
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