Durch Wettringen wird ein Teil des zukünftigen deutschen Wasserstoff-Kern-Netzes laufen. Das sind dicke Leitungen mit 120 cm Durchmesser und einem Druck bis 70 bar. Mit diesen Leitungen wird zum Beispiel Wasserstoff aus überschüssigem Off-Shore-Wind-Strom in Richtung Ruhrgebiet geleitet. Aber auch das Einspeisen aus Wettringer Anlagen oder auch das Abzapfen für Wasserstoffprojekte ist möglich.
Allerdings ist das erst einmal eine riesige Baustelle. Die Sohle liegt 2,40 m tief in der Erde, die Baustelle ist fast 40 m breit. In der Mitte gibt es einen „Schutzstreifen“, auf dem keine tiefwurzelnden Bäume gepflanzt oder gebaut werden darf. Wo die Leitung durch Ackerland führt, kann später wieder etwas angebaut werden. Es gibt ein aufwendiges Bodenmanagement, aber bis der Boden wieder die gleiche Qualität hat, dauert es natürlich trotzdem. Daher gibt es auch eine angemessene aber nicht übermäßige Entschädigung für die Landwirte. Wichtig ist, dass keine Bauprojekte oder stadtplanerischen Ideen davon behindert werden. Wäre das der Fall, kann die Leitung auch noch verschoben werden.
Heute hat die Firma Thyssengas in der Bürgerhalle über das Projekt informiert. Sie hatten uns zuvor schon im Bauausschuss Fragen beantwortet, aber einige Details blieben natürlich noch offen. Vor Ort treffe ich auch Landwirte aus Wettringen, die lieber auf die Entschädigung verzichten würden, wenn die Leitung woanders her laufen könnte. Interessanterweise ist Wettringen von mehreren solcher Projekte, unter anderem auch Gleichspannungsleitungen, die noch größere Erdkabelbaustellen benötigen.
Das Projekt ist eine große Chance für Deutschland, es ist der richtige Weg und es löst ein „Henne-Ei-Problem“ beim Wasserstoff. Wir schauen genau hin, dass es Wettringen nicht einschränkt. Pläne, mitten durch das Naturschutzgebiet in der Brechte zu gehen, scheinen im Moment zum Glück nicht weiter verfolgt zu werden.